10.11.2017

Sportlich erfolgreich – sozial engagiert

„Wie sieht denn der ganz normale Profi aus?“ In einem Interview mit der Funke Mediengruppe im Vorfeld der heutigen Begegnung in England stellt Nationalspieler Lars Stindl diese Gegenfrage. Als Antwort auf die Bemerkung, dass er nicht ganz der Norm entspräche, weil er sich vor Auswärtsspielen gerne auch über Land und Leute informiere.

#bild#Der normale Profifußballer – so die These der Fragesteller - sei doch eher „ein Spieler, der auf das Geld schaut, der von einem zum nächsten Verein pendelt, ein Legionär eben.“ Stindl meistert die Konfrontation mit dem Klischee souverän und erhält zur gleichen Zeit aus weiter Entfernung beeindruckende Unterstützung von Neven Subotic.

Der serbische BVB-Star ist kein aktueller Nationalspieler und so mancher Journalist oder Fan hätte ihn während der Länderspielpause vom Bundesliga-Alltag ausspannend, an einem sonnigen Ort in südlichen Gefilden vermutet, womöglich auf einer Yacht. Wie das normale Profifußballer wohl so machen. Doch Neven Subotic spricht im N11-Restaurant des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund vor rund 60 Gästen gemeinsam mit Moderatorin Miriam Herzberg, Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk und Eugen Gehlenborg, den Vorsitzenden der DFB-Stiftungen, über seine Motivation, sich als Sportler sozial zu engagieren.

#bild#Im Hintergrund laufen Bilder, nicht etwa von den großartigen Erfolgen, die er seit 2008 mit dem BVB errungen hat, sondern es sind Eindrücke von seiner Stiftungs-Arbeit. Sie zeigen ihn in einer kargen Landschaft in Afrika, umgeben von Kindern. Neven Subotic hebt die vor ihm platzierte Sprudelflasche nach oben: „Für diese Kinder ist es nicht normal, frisches Trinkwasser zur Verfügung zu haben.“ Mit seiner Stiftung stellt Subotic an Orten wie diesen Mittel für den Brunnenbau zur Verfügung. Er begleitet diese Projekte aus nächster Nähe, legt selbst mit Hand an, kommt mit den Einheimischen ins Gespräch, zaubert den Kindern ein Lächeln ins Gesicht und verbessert mit seinem Engagement ihre Überlebens- und Entwicklungschancen drastisch. „Ich habe als Profifußballer ausreichend Zeit, um mich zu engagieren. Natürlich bin ich im Training und im Spiel fokussiert, aber die Welt ist viel breiter als das, was um mich herum stattfindet.“

Bei Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk ist der Ursprung seines gesellschaftlichen Engagements anders gelagert. „Einerseits hatte ich das Gefühl, als erfolgreicher Athlet privilegiert zu sein und deshalb das Bedürfnis, etwas zurückzugeben. Andererseits war es aber auch schwierig, nach der intensiven Zeit als Sportler im normalen Leben Fuß zu fassen. Das verursachte bei mir depressive Phasen.“ So gab ihm sein Mitwirken im „Bündnis gegen Depression“ zunächst persönliche Orientierung. Gleichzeitig machte er auf eine in der Gesellschaft weitgehend tabuisierte Problematik aufmerksam und verhalf damit vielen betroffenen Menschen, sich Gehör zu verschaffen. „Und wenn es gelingt, auch nur zwei oder drei Notleidenden zu helfen, bestärkt mich das sehr in meinem Tun“. Inzwischen bringt er seine Erfahrungen als Sportler in verschiedenste Projekte mit ein. „Erkenne Deine Stärken“ ist ein Berufsbildungsangebot für Jugendliche und Studierende, gemeinsam mit der Deutschen Sporthilfe initiierte er das „Sporthilfe Elite Forum“, bei dem es um die Karriere nach der Karriere geht. Darüber hinaus engagiert er sich seit einigen Jahren als Botschafter der SOS-Kinderdörfer.

Vorbildlicher Einsatz, wie ihn Neven Subotic und Christian Schenk täglich zeigen, spiegelt sich auch in der Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung wieder. Ihr Vorsitzender Eugen Gehlenborg, zugleich DFB-Vizepräsident für Sozial- und Gesellschaftspolitik, hebt hervor, wie wichtig die Unterstützung aktueller oder ehemaliger Spieler ist: „Wenn Cacau, der mit 19 Jahren aus Brasilien nach Deutschland gekommen und inzwischen deutscher Staatsbürger mit 23 Einsätzen für die Nationalmannschaft ist, Kindern mit Migrationshintergrund erklärt, dass Integrationsprozesse am besten über das Erlernen der Sprache funktionieren, dann klingt das sehr glaubwürdig. Als fußballerisches Vorbild erreicht er zudem schnell und besondere Aufmerksamkeit.“

Ehrenspielführer Fritz Walter war der erste, der seinen ehemaligen „Chef“ und Stiftungs-Namensgeber Sepp Herberger bei dessen sozialem Engagement unterstützte. Er begleitete ihn in Justizvollzugsanstalten, um die Resozialisierung von Strafgefangenen mit zu gestalten. Zudem lag Herberger die Fürsorge für seine Spieler auch nach ihrer aktiven Karriere sehr am Herzen. Und sie – neben Fritz Walter vor allem auch Horst Eckel und Uwe Seeler – dankten es ihm mit ihrem Engagement für seine Stiftung, die der DFB anlässlich Herbergers 80.Geburtstag, einen Monat vor seinem Tod, ins Leben gerufen hat. Eugen Gehlenborg betont aber auch: „Das Gesicht muss passen“, das heißt, wie bei Cacau spielt bei jedem Stiftungsprojekt die Glaubwürdigkeit der prominenten Mitstreiter eine wesentliche Rolle. Und die grundsätzliche Bereitschaft, Herbergers Worte, „Wenn man oben ist, muss man sich um die unten kümmern“ als Leitsatz für das eigene Handeln zu verinnerlichen.

Die Überschrift für den erkenntnisreichen Abend im Deutschen Fußballmuseum könnte lauten: „Tue Gutes und rede darüber“. Das wäre auch im Sinne von Christian Schenk. Denn der zeigte sich sehr überrascht von Neven Subotics umfangreicher Stiftungsarbeit: „Das war mir in der Form nicht bewusst.“ Und noch eines wurde offensichtlich: Subotic steht mit beiden Beinen mitten im Leben – ein normaler Profifußballer eben.

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